Stolpersteine in Groß Schönebeck

Vier Stolpersteine wurden am 30. März 2015 durch den Künstler Gunter Demnig in Groß Schönebeck verlegt. Die Stolpersteine, welche an die jüdische Familie Leiser erinnern, befinden sich vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz der Familie in der Ernst-Thälmann-Straße 46. Die jüdische Kaufmannsfamilie wurde Opfer des NS-Terrors.

Aus dem Leben der Opfer

Die Biografien der Opfer wurden durch den Groß Schönebecker Bürgerverein recherchiert.

Friedmann Leiser (geb. am 3.3.1877) führte seit 1905 in Groß Schönebeck ein Landwarenhaus. Das Angebot umfasste Baumaterialien, Kleidung und Kolonialwaren. Werkzeuge hingen von der Decke. Überall standen Kisten und Fässer. Bei der täglichen Rasur im „Friseursalon Feld“ erfuhr Friedmann Leiser, was im Ort gebraucht wurde. Er kümmerte sich darum und besorgte die Dinge. Einige Kunden belieferte er mit dem Fahrrad.

Friedmann Leiser war beliebt. Die Kunden konnten bei ihm anschreiben lassen. Für die Kinder hielt er immer eine Kleinigkeit bereit. Oft bot er den Männern eine Zigarre an.

Am 9. November 1938 wurde das Kaufhaus von Friedmann Leiser von der SA, mit Verstärkung aus dem Nachbarort Zerpenschleuse, gestürmt. Die SA-Männer schlugen die Fenster ein, verwüsteten alles und stahlen das Schuldenbuch.

Am Morgen des 10. November fragten die Kinder auf ihrem Schulweg, warum man das getan hatte. Sie bekamen keine ordentliche Antwort.

Jeder, der bei Friedmann Leiser einkaufte, wurde aufgeschrieben. Dennoch wollte der Kaufmann sein Geschäft fortführen. Doch am 4. Januar 1939 untersagte das Landratsamt Niederbarnim den Betrieb des Landwarenhauses.

Keine drei Monate später, am 23. März 1939, musste Friedmann Leiser sein Geschäft zwangsweise verkaufen und alle Wertgegenstände abgeben. Im November desselben Jahres erfolgte eine Judenvermögensabgabe. Fortan bewohnte das Ehepaar Leiser mit den beiden unverheirateten Schwestern von Friedmann Leiser, Alma und Florentine, drei Notzimmer im eigenen enteigneten Haus. Dafür zahlten sie 20 Reichsmark. Vor der geplanten Deportation 1942 musste der mittlerweile 65-jährige Friedmann Leiser eine Vermögenserklärung abgeben, wonach ihm noch 330 Reichsmark in bar und 2.613 Reichsmark auf einem Sperrkonto verblieben.

Laut Bundesarchiv wurden das Ehepaar Friedmann und Elise Leiser sowie die beiden Schwestern Friedmanns, Alma und Florentine Leiser, am 14. April 1942 in das Warschauer Ghetto abtransportiert.

Rund 50 Einwohner, Zeitzeugen, Jugendliche und Kinder waren zur Verlegung der Stolpersteine gekommen. Schauspielerin Fritzi Haberlandt las während des Festaktes eine Passage aus dem Roman "Gezeiten des Schweigens" des jüdischen Autors und Holocaust Überlebenden Elie Wiesel vor.

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